Bildungsbereich Sprache

Bildungsbegründung:

Menschen gebrauchen sowohl die verbale wie auch die nonverbale Sprache als Medium, um Gedanken, Wünsche und Gefühle ausdrücken und mit anderen austauschen zu können.

Kinder brauchen Kommunikationspartner, die ihre Worte und die körpersprachlichen Äußerungen wahrnehmen und zuverlässig darauf reagieren. Der Dialog zwischen Kindern und Erwachsenen wie auch mit anderen Kindern steigert einerseits die differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder, andererseits aber auch ihre Fähigkeit, die Äußerungen anderer wahrzunehmen, angemessen darauf zu reagieren und zu antworten.

Die Sprachentwicklung der Kinder ist in hohem Maße abhängig von der Sprechfreudigkeit, dem Sprachschatz, über den die erwachsenen Bezugspersonen verfügen, sowie von der Vielfalt der Möglichkeiten, die Kinder zum Erkunden ihrer Umgebung haben und von der Intensität, mit der erwachsene Gesprächspartner das Kind anregen und fördern. Das Kind wächst durch Sprache in die Kultur seiner Familie und der Gesellschaft hinein. Es erkennt Meinungen und Ansichten anderer und entwickelt eigene Vorstellungen von der Welt.

Über die verbale und die nonverbale Sprache werden kulturelle Werte der Bezugspersonen und des sozialen Umfeldes vermittelt. Dieses bietet für das Kind Orientierungs- und Handlungsmöglichkeiten. Die gleiche Sprache (auch Dialekt) zu sprechen bedeutet eingebunden zu sein in eine Gruppe und in das engere soziale Umfeld.

(Siehe auch Bildungsbereiche „Interkulturelle Erziehung“, „Musik und Rhythmik“, „Basiserfahrungen Lesen und Schreiben“)

  BühneBildungsziel:

Kinder sprechen unbefangen und mit Freude. Sie haben Spaß am spielerischen Umgang mit ihrer Familiensprache und an der Begegnung mit „fremden“ Sprachen. Die Kinder können ihre Ansichten und Meinungen darstellen und vertreten und können vor Publikum sprechen.

Sie festigen soziale Beziehungen, indem sie eigene Bedürfnisse artikulieren, aber auch in dem sie überprüfen, ob sie verstanden worden sind. Sie können Hilfen einfordern, Gefühle ausdrücken – sowohl verbal als auch nonverbal – und Konflikte ohne Anwendung von Gewalt regulieren. Sie können sich auf Gesprächs-partnerInnen einstellen und angemessen sprachlich agieren und reagieren.

Die Kinder sind offen dafür, neue Wörter (Vokabeln) und Begriffe aufzunehmen. Sie haben einen, ihrem Alter angemessenen, ausreichenden aktiven und passiven Wortschatz. Sie sind in der Lage, gehörte Geschichten und erlebte Sachverhalte zu behalten und mit eigenen Worten wieder zu geben. Sie können eigene Geschichten entwickeln und vortragen. Dabei sprechen sie grammatikalisch korrekt und können ausdrucksvoll erzählen. Kinder beherrschen die richtige Aussprache von Lauten und Lautverbindungen.

Sprache in der „Wunderwelt“

In der Wunderwelt sind die Kinder umgeben von einer Vielzahl von kommunikationsanregenden Situationen. Wir sind dabei immer Sprachvorbild für die Kinder. Wir schaffen eine positive Sprechatmosphäre, indem wir mit den Kindern ohne Zeitdruck sprechen, von uns selber erzählen, Fragen stellen, auf die die Kinder mit mehreren Sätzen antworten können. Wir finden ruhige Gesprächsorte, die zum Verweilen einladen. Wir beobachten regelmäßig und systematisch, wie jedes Kind spricht und wie es sich im Dialog mit anderen Kindern verhält.

Unsere Gesprächskultur richtet sich nicht nur an die Kinder, sondern bezieht auch Eltern und andere Adressaten mit ein. Wir bieten ihnen zahlreiche Gelegenheiten zum Gespräch und zur Auseinandersetzung mit unserer Arbeit, z.B. im Rahmen des „Pädagogischen Austauschs“ 1 x monatlich, der sog. „Tür- und Angelgespräche“, Elternsprechtage, gemeinsamer Workshops u. v. m. (siehe Teil II, Punkt 1.3 dieser Konzeption).

Konkret bedeutet das für uns:

  • Wir hören den Kindern zu und lassen sie ausreden. Wir achten darauf, dass diese Ge- Lesungsprächskultur auch selbstverständlich ist, wenn die Kinder miteinander sprechen.
  • Kinder werden angeregt, Fragen zu stellen. Wir stellen Fragen so, dass Kinder in Sätzen darauf antworten können (wenig „einsilbige“ Antworten).
  • Wir betrachten gemeinsam mit den Kindern Bilderbücher, Märchenbücher und andere Geschichten. Dabei achten wir auf einen abgestuften Aufbau – auch in der Betrachtungsweise mit den Kindern – vom einfachen Benennen der Dinge, die zu sehen sind, hin zum Definieren, Umschreiben und Erweitern, Beziehungen und Abfolgen herstellen zwischen Bildern oder einzelnen Episoden, „weiterspinnen“ und phantasieren, Bedeutung entstehen lassen, gemeinsam konstruieren und bewusst machen.
  • Die Kinder gestalten gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften die morgendlichen Kinderkonferenzen. Dort können sich alle Kinder am Gespräch beteiligen, erhalten Redezeit und alle anderen hören ihnen zu (näheres dazu siehe Teil II, Punkt 1.3 dieser Konzeption).
  • Im Sinne der Einübung demokratischer Prozesse erhalten die Kinder von Anfang an Mitspracherechte. Auf ihre Meinungsäußerung wird Wert gelegt. Die Meinungen werden in Entscheidungsprozessen berücksichtigt.
  • Die Kinder werden ermutigt, selbst zur „GeschichtenerzählerIn“ zu werden. Dabei erfinden (fabulieren) Kinder Geschichten und Märchen.
  • Wir bieten den Kindern die Möglichkeit, sich mit Theaterstücken auseinander zu setzen. Sie „schlüpfen“ in die passenden Rollen, sammeln somit Erfahrung als „SchauspielerIn“ und entwickeln Textverständnis.
  • Die Kinder sind geübt im Umgang mit Hand- und Fingerpuppen. Auch im Spiel mit diesen erfinden sie Geschichten, experimentieren mit Sprache und erfinden eigene Texte.
  • Mittels nichtsprachlicher Spiele wie Pantomime entdecken die Kinder die „Sprache ihres Körpers“ durch ihre Gestik und Mimik.
  • Wir setzen häufig Abzählreime, Kinderreime, Reimspiele und freies Reimen, Fingerspiele und Gedichte in unserer Arbeit ein, damit Kinder lustvoll Sprachrhythmus und flüssiges Sprechen üben.
  • Das Singen von Liedern, bei dem wir ebenfalls das Liedgut von allen Kindern in unserer Einrichtung berücksichtigen, hat einen festen Bestandteil im Tagesablauf.
  • Lauschspiele (Geräuschen lauschen, Geräusche erzeugen und denen lauschen und Flüsterspiele wie „Stille Post“) werden häufig in unserer Arbeit angeboten.
  • Wir berücksichtigen mundmotorische Übungen in unserer Tagesgestaltung (z.B. Kinder pusten durch einen Strohhalm, pusten Watte, blasen ihre Wangen auf und schneiden Fratzen, machen Zungenspiele etc.) Blasen
  • Regelmäßig findet die Projektreihe „Spiele mit Sprache“ statt, die im Besonderen für Kinder mit sprachlichen „Auffälligkeiten“ und für ausländische Kinder gezielt ausgearbeitet wird. Diese Projekte werden von pädagogischen Kräften unseres Kollegiums durchgeführt, die sich zusätzlich in diesem Bereich regelmäßig fort- und weiterbilden.
  • Wir arbeiten so oft wie möglich mit externen Fachleuten, wie z.B. Logopäden zusammen.
  • Seit 1998 lernen und leben wir zusammen mit allen Altersgruppen (also ab 3 Jahren) den spielerischen Umgang mit der englischen Sprache. Wer könnte diese Zweit- oder Drittsprache besser und authentischer als eine „waschechte“ Engländerin? Seit Bestehen dieses Angebotes arbeiten wir ganz bewusst und für die Kindern äußerst erfolgreich 1-2 mal pro Woche mit Pädagogen zusammen, die MuttersprachlerInnen (aus England) sind. Die spielerisch und lebensnah vermittelten Inhalte werden von uns Wunderwelt-PädagogInnen und „Zweitsprachensprechern“ aufgegriffen und in unser Alltagsleben und -spielen integriert.